09. April 2018

TIPP: Führung zwischen Selbstwahrnehmung und Fehlwahrnehmung

Leadership between Self-perception and Misperception

Selbstwahrnehmung ist in Zeiten disruptiver Veränderung eine wichtige Kompetenz. Wer andere führt, muss sich selbst kennen. Die Kenntnis der eigenen Stärken, Motive, Werte und das Wissen über kognitive Verzerrungen (bias) ist daher ein wichtiges Thema im Coaching. Durch die Arbeiten des Nobelpreisträgers Daniel Kahnemann wurden sie inzwischen von der Verhaltensökonomie aufgegriffen.

Wenn erfolgreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft oder Sport nach Erfolgsfaktoren gefragt werden, so zeigt sich oft, dass Empfehlungen oder Lebensläufe intuitiv euphorisch eingefärbt werden - z.B. belastende Phasen oder Misserfolge. Das wird als „Story-Bias“ bezeichnet:  Alles was wir erzählen, soll in sich stimmig sein und ein bestimmtes Ziel verfolgen.

Auch wird der Einfluss der Person auf ein Ereignis überschätzt. Der Anteil äußerer Faktoren wie ein unterstützendes Umfeld oder Glück wird kaum gesehen („Attribution-Bias“). Erfolg wird hauptsächlich der Person zugeschrieben („Self-Serving Bias“).  

Das kann zu Fehleinschätzungen hinsichtlich des eigenen künftigen Verhaltens führen - denn eine frühere Entscheidung könnte rein zufällig zum Erfolg geführt haben, weil sich die Umstände geändert hatten (z.B. ein wichtiger Wettbewerber hat sich zurückgezogen). Die ausbleibende Reflektion verhindert wichtige Erkenntnisse und die Verarbeitung von Misserfolgen.

TIPP:
Sehen Sie Erfolgs-Geschichten als Anregung oder inspirierendes Entertainment, die durchaus Aha-Momente haben können, weil sie gerade zu eigenen Überlegungen passen aber nicht als Handlungsempfehlung für die eigene Karriere. Insbesondere wenn sie stark personenzentriert sind, auf großer Bühne stattfinden und unreflektierte Motivations-Phrasen enthalten („Die richtige / eine positive Einstellung entscheidet“).

Quelle: SALLI @ Success - Newsletter, 21.3.2018